Januarausgabe 2014

Investment mit viel Emotion

story

Das Interview mit Christina Kastern-Benatzky, Chefin des hannoverschen Kunsthauses Kastern, in ganzer Länge.

Wenn man in Kunst investieren möchte, was ist am vielversprechendsten?
Am vielversprechendsten sind Gemälde, gute Grafiken und Skulpturen, aber auch ausgefallenes Kunsthandwerk ist nicht zu vernachlässigen. Auch chinesische und russische Kunst sind momentan sehr begehrt .

Kunst welcher Epochen und Kunstrichtungen ist besonders gefragt?
Gefragt ist immer noch sehr die Klassische Moderne, bekannte Künstler um 1900 bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Begehrt sind aber auch große Namen der 2. Hälfte des 20. Jahrhundert und viele der zeitgenössischen Künstler. Siehe Francis Bacon für dessen Triptychon erst 142 Millionen Dollar gezahlt wurde 

Und welches Segment würden Sie als Anlage empfehlen: zeitgenössische Kunst, moderne Klassiker, alte Kunst …, Druckgrafik, Ölbilder, Skulpturen …?
Ich würde eine Mischung bei der Kunstanlage empfehlen. Unterschiedliche Zeiten, Stile und aus mehreren Rubriken, auch zeitgenössische Kunst nach 1945. Es ist wie bei Aktien, wo man die Anlage auch streuen sollte. Außerdem würde ich immer darauf achten, dass mir die Objekte auch gefallen.

Gilt die Faustformel „je älter umso wertvoller“?
Nein, das Alter spielt bei guter Kunst keine Rolle. Eine schlechte Musik wird ja auch nicht besser, nur weil sie älter ist. Mehrfach wurden z.B. in der Malerei bestimmte Stile nach langer Zeit wieder aufgegriffen. Da gilt dann die Faustformel „je originaler umso besser“.

A nhand welcher Kriterien sollte man die Künstler aussuchen?
Gefällt mir das einzelne Werk des Künstlers? Wie sieht sein Oeuvre aus? Für was steht es? Wie ist sein Werdegang? Studium ja oder nein, an welchen Hochschulen und bei welchen Lehrern, Ausstellungen In- und Ausland? Ist es ein genialer Autodidakt?

Ab welcher Summe lohnt es sich, in Kunst zu investieren?
Das ist von Objekt zu Objekt unterschiedlich! Wenn einem das Kunstwerk gefällt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auch einem Zweiten gefällt, gegeben. Gut ist es, wenn man sich beim Kauf der Kunst etwas antizyklisch verhält, man sollte nicht zu spät einsteigen, wenn es alle haben wollen, also nicht auf der Spitze kaufen. 

Ist Kunst ein Invest, das auch für Kleinanleger geeignet ist?
Für den Kleinanleger kommt z.B. die Druckgrafik in Betracht. Radierungen, Lithografien und Seriegrafien sind Originale, die der Künstler produziert, die eine begrenzte Auflage haben und auch häufig für kleines Geld zu haben sind. Bei guten Namen und Qualität gibt es auch bei der Druckgrafik gute Wertsteigerung. 

Wie riskant ist das Investment in Kunst?
Ein Risiko bleibt immer. Auch hier sollte man sich von seinem Geschmack leiten lassen. Doch vor allem ist Qualität wichtig.

Und was macht für Sie den Charme des Investments „Kunst“ aus?
Das Schöne beim Investment „Kunst“ ist, dass Sie in etwas investieren, was Sie in die Hand nehmen und sich daran erfreuen können. Es ist ein Investment, das mobil ist, was bei Umzügen einen Vorteil darstellt. Außerdem ist ein schnellerer Verkauf möglich als bei immobilen Werten.

Es gibt Kunstfonds, und sogar Banken legen solche Fonds auf – können Sie einen Einstieg in Fonds empfehlen?
Nein, denn ich habe keine Erfahrung mit sogenannten „Kunstfonds“. 

Muss man einen langen Atem beim Kunst-Investment mitbringen?
Etwas Atem ist nicht schlecht. 

Empfiehlt es sich einen Experten an seiner Seite zu haben?
Ein Experte ist nicht notwendig, wenn man sich selbst gut informiert. Bei  Museen, Galerien und Auktionshäusern stehen Kunsthistoriker zur fachlichen Diskussion zur Verfügung.

Wie verlässlich ist das eigene Bauchgefühl?
Das eigene Bauchgefühl ist auf jeden Fall wichtig. 

Kunst rein aus spekulativen Gründen zu kaufen – können Sie das empfehlen?
Ja. Wenn man z.B. die Altmeister betrachtet: Noch vor zehn Jahren waren die Preise dafür sehr niedrig. Durch den Crash 2008 ist allgemein der Wunsch nach Qualität wieder gestiegen und die Alten Meister sind dadurch wieder interessant geworden.

Oder sollte man nur kaufen, was einem gefällt?
In den meisten Fällen ist das der richtige Weg, vor allem wenn auch die Qualität stimmt.

Wie wichtig ist es, Trends und Moden auf dem Kunstmarkt zu kennen?
Es ist schon wichtig, diese zu kennen. Vielfach zeichnet sich da ein gutes Bild auf den Kunstauktionen und Kunstmessen ab. Denn der Zeitgeschmack wechselt auch in der Kunst wechselt, allerdings längst nicht so schnell wie in der Modewelt. Je mehr man gesehen hat, umso besser kann man Kunst beurteilen. Und ein Besuch von Ausstellungen, Messen, Galerien, Auktionen und Künstlerateliers ist immer empfehlenswert.

Wie groß ist die Gefahr, Fälschungen aufzusitzen?
Natürlich gibt es im hochpreisigen Segment auch Fälschungen, die aber heutzutage durch die technischen Untersuchungen und ausführliche Recherche der Kunsthistoriker in den meisten Fällen entlarvt werden. 

Kann man auch in Internet-Auktionen und übers Internet werthaltige Kunstwerke erwerben? So hat z.B. Saatchi online hunderte Kunstwerke im Angebot.
Bei seriösen Galerien und Auktionshäusern, die ihre Kunstwerke auch online anbieten, lässt sich Kunst auf diesem Wege ohne weiteres sicher kaufen. Kunst auf Ebay zu kaufen könnte allerdings ein hohes Risiko sein.

Kunstkauf als Steuerabschreibung – geht das? Und ist das empfehlenswert?
Nur wenn Sie Händler sind oder Kunst zu repräsentativen Zwecken kaufen, kann es zu einer steuerlichen Abschreibung kommen 

Kann man für Kunst eigentlich auch Renditen errechnen, und wie hoch liegen die?
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 27. Oktober 2013 nennt einen jährlichen Wertzuwachs von 7,3 Prozent für den Zeitraum 2000 bis 2012. 

Ein Kunstwerk lässt sich ja nicht so leicht wieder verkaufen wie Aktien oder Gold – wie funktioniert ein Verkauf?
Auf einer Versteigerung lässt sich ein Kunstwerk sehr schnell verkaufen. Unsere Auktionen finden in der Regel viermal im Jahr statt und haben nur eine Vorbereitungszeit von acht Wochen.

Wie ist es, wenn man Kunst vererben möchte? Was ist dabei zu beachten?
Sinnvoll ist es, zu Lebzeiten die Kunst an die zukünftigen Erben zu verschenken, da ansonsten Erbschaftssteuer anfällt.  

Welche Tipps haben Sie für Einsteiger?
Besuchen Sie unsere Vorbesichtigung und lassen Sie sich von unseren Kunsthistorikern zu den Objekten beraten. Die neue Käufergeneration steigert auch bei uns bereits live online.